{"id":1781,"date":"2026-08-17T20:23:48","date_gmt":"2026-08-17T18:23:48","guid":{"rendered":"https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/?p=1781"},"modified":"2026-08-17T20:49:57","modified_gmt":"2026-08-17T18:49:57","slug":"schach-zwischen-traum-und-frustkollaps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/?p=1781","title":{"rendered":"Schach \/\/ Zwischen Traum und Frustkollaps"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"1781\" class=\"elementor elementor-1781\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-b2c94f3 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"b2c94f3\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-b0c0025\" data-id=\"b0c0025\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-725d909 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"725d909\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<figure id=\"attachment_1789\" aria-describedby=\"caption-attachment-1789\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1789\" src=\"https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_8_web-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_8_web-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_8_web-300x200.jpg 300w, https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_8_web-768x512.jpg 768w, https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_8_web.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1789\" class=\"wp-caption-text\">In Runde 8 gegen Gro\u00dfmeister Alexander Donchenko erzielt Georg Braun seinen ersten und einzigen Sieg in der Meisterklasse<\/figcaption><\/figure><p>Georg Braun beim Kr\u00e4ftemessen mit Deutschlands Schachprofis<\/p><p>DRESDEN. Vor \u00fcber einem Jahr konnte ich ziemlich \u00fcberraschend den gr\u00f6\u00dften Erfolg in meiner bisherigen schachlichen Laufbahn feiern. Bei den Deutschen Meisterschaften in M\u00fcnchen belegte ich im sogenannten Kandidatenturnier den 2. Platz &#8211; vor mehreren Gro\u00dfmeistern, vor den talentiertesten deutschen Jugendlichen, sowie unz\u00e4hligen Meisterspielern, die sich auch \u00fcber ihre Landesmeisterschaft f\u00fcr dieses Turnier qualifiziert hatten. Mit diesem 2. Platz hatte ich, wie der Sieger Tobias K\u00fcgel, einen Startplatz in der Deutschen Meisterklasse 2026 in Dresden ergattert.<\/p><p>Noch nie zuvor hatte ich ein Turnier mit einer solchen Gegnerschaft bestritten. Und h\u00f6chstwahrscheinlich werde ich auch nie wieder in einem derart stark besetzten Turnier mitspielen. F\u00fcr die Meisterklasse vorqualifiziert sind die st\u00e4rksten Spieler Deutschlands. Das hei\u00dft insbesondere die aktuellen Spieler der Nationalmannschaft, die alle Schachprofis sind. Aber auch Spieler, die fr\u00fcher schon f\u00fcr die deutsche Nationalmannschaft gespielt haben, oder bereits so gut sind, dass sie es wahrscheinlich in wenigen Jahren werden.<\/p><p>Die \u00dcberforderung begann f\u00fcr mich mit der Vorbereitung auf das Turnier. Ich bin seit ungef\u00e4hr 15 Jahren Autodidakt ohne Trainer. F\u00fcr mich war und ist Schach immer nur ein Hobby. Im Vergleich zu meinen Gegnern in Dresden mangelt es mir so nicht nur an Spielst\u00e4rke, sondern auch an Spielpraxis, Wettkampferfahrungen und jahrelanger intensiver Besch\u00e4ftigung mit Endspiel- und Er\u00f6ffnungstheorie. Obwohl es nicht m\u00f6glich ist, einen solchen R\u00fcckstand innerhalb eines Jahres nachzuholen, habe ich in den letzten Monaten doch fast meine gesamte Freizeit daf\u00fcr geopfert, irgendwie auf Dresden vorbereitet zu sein. F\u00fcr mich ein Ding der Unm\u00f6glichkeit, auch weil im heutigen Informationszeitalter t\u00e4glich neue Ideen gefunden werden und sich immer mehr Er\u00f6ffnungsvarianten bis zum Remis im Endspiel ausanalysieren lassen. Wenigstens war ich clever genug, mir vor Dresden Unterst\u00fctzung von einem Trainer einzukaufen, von dessen Erfahrung und Er\u00f6ffnungskenntnissen ich stark profitierte.<\/p><p>Ein Teil meiner Vorbereitung war auch psychologischer Natur. Im schlimmsten Fall, das war mir, aber auch dem einen oder anderen meiner Schachfreunde klar, drohten mir in diesem Feld 9 Niederlagen in Folge. Auch als der deutsche Schach-Superstar Vincent Keymer und der diesj\u00e4hrige WM-Kandidat Matthias Bl\u00fcbaum ihre Teilnahme f\u00fcr Dresden absagten, ging mir dieser schlimmste Fall noch nicht aus dem Kopf. Es r\u00fcckten zwar Spieler nach, die im Vergleich zu Vincent oder Matthias nominell deutlich schw\u00e4cher sind, aber eben trotzdem noch besser als ich.<\/p><p>Am Anreisetag entpuppte sich ein urspr\u00fcnglich als technische Besprechung angek\u00fcndigtes Treffen zu meiner \u00dcberraschung als eine feierliche Auftaktveranstaltung im goldenen Rathaus. Immerhin war ich nicht als einziger Teilnehmer der Meisterklasse verpeilt oder unorganisiert und so konnte ich mir mit zwei zuk\u00fcnftigen Gegnern ein Taxi teilen, um gerade noch rechtzeitig im Rathaus anzukommen. Leider bekam ich wieder einmal f\u00fcnfmal Schwarz und nur viermal Wei\u00df zugelost. Besonders Doppelschwarz in den Runden 7 und 8 bereitete mir Bauchweh.<\/p><p>In der 1. Runde des Turniers &#8211; f\u00fcr mich das erste Turnier mit Dresscode &#8211; spielte ich gegen Bennet Hagner. Bennet ist einer der st\u00e4rksten deutschen Nachwuchsspieler. Er erz\u00e4hlte mir nach der Partie, dass er sich vor dem Turnier keine Sekunde lang auf seine Gegner vorbereiten konnte. Zum einen, weil er kurzfristig in die Meisterklasse nachger\u00fcckt war. Zum anderen, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden hatte, ein Turnier in Spanien zu bestreiten, das erst unmittelbar vor dem Turnier in Dresden zu Ende ging. Ich versuchte, Bennet mit einer vorbereiteten Gemeinheit in der Er\u00f6ffnung ins Schwitzen zu bringen, aber er blieb cool und behielt die Kontrolle \u00fcber die Stellung. Es ergab sich ein Schwerfiguren-Endspiel, in dem sich meine begrenzte Spielpraxis bemerkbar machte. Ich agierte zu passiv und kam in die Zeitnotphase mit weniger Bedenkzeit auf der Uhr als Bennet. Dann \u00fcbersah ich in einer taktischen Kombination einen Zwischenzug, der mich die Partie kostete. Vor einem Jahr in M\u00fcnchen hatte ich in meiner Partie gegen Bennet noch die Oberhand und in der Schlussrunde eine chancenreiche Stellung nur Remis gegeben, um mir den 2. Platz zu sichern. Innerhalb eines Jahres hatte sich das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen uns auf dem Schachbrett komplett gedreht.<\/p><p>In Runde 2 wurde ich mit Wei\u00df in der Er\u00f6ffnung von Dmitrij Kollars \u00fcberrascht. Im Gegensatz zu Bennet reagierte ich aber schlecht und wich bewusst von der mir bekannten Er\u00f6ffnungstheorie ab, sodass ich im Mittelspiel dann komplett \u00fcberspielt wurde. Nach einem Bauerneinsteller meinerseits war die Stellung dann derart katastrophal, dass ich mich bereits entschieden hatte, nach dem n\u00e4chsten Zug von Dmitrij die Partie sofort aufzugeben. Doch genau in diesem Moment hatte er einen unglaublichen Blackout. Statt sich meiner geschw\u00e4chten Grundreihe zuzuwenden, spielte er einen unscheinbaren Bauernzug. Ein Zug &#8211; ein Tempo &#8211; und ich war zur\u00fcck in der Partie, die jetzt objektiv Remis war. Auch wenn ich dieses Remis sp\u00e4ter noch mit einem ungeheuerlichen Patzer gef\u00e4hrdete, am Ende holte ich meinen ersten halben Punkt! Und obwohl ich seit Jahren nicht mehr derart unverdient ein Remis erreicht hatte, haben mir viele zu dem halben Punkt gratuliert. So auch Elisabeth P\u00e4htz, die st\u00e4rkste Spielerin Deutschlands, welche vor Ort in Dresden als Kommentatorin im Einsatz war. Sie erkl\u00e4rte mir, dass es psychologisch ein gro\u00dfer Fehler war, in der Er\u00f6ffnung von meiner normalen Spielweise abzuweichen, nur um Dmitrijs Vorbereitung auszuweichen.<\/p><p>Mit R\u00fcckenwind ging es dann f\u00fcr mich in der 3. Runde gegen Niclas Huschenbeth, ebenfalls Schachgro\u00dfmeister, aber zugleich einer der erfolgreichsten Schach-Youtuber Deutschlands. Dieses Mal konnte wieder ich in der Er\u00f6ffnung eine \u00dcberraschung landen und erreichte mit Schwarz eine vern\u00fcnftige Stellung mit diversen Ungleichgewichten. In den Verwicklungen im Mittelspiel fand sich dann aber Niclas besser zurecht und nutzte konsequent die Felderschw\u00e4chen in meinem Lager aus, die ich schon in der Er\u00f6ffnung h\u00e4tte bemerken m\u00fcssen. Die Stellung war irgendwann zwar objektiv verloren, aber ich k\u00e4mpfte weiter, opferte erst einen Bauern, dann einen zweiten, und schlie\u00dflich insgesamt eine Qualit\u00e4t, um die Partie am Laufen zu halten. Objektiv blieb meine Position weiterhin verloren, aber ich spielte mit einer Hartn\u00e4ckigkeit, die Niclas an den Rand der Verzweiflung brachte und mit nur noch einer Minute Bedenkzeit auf der Uhr zur\u00fccklie\u00df, bei einem Inkrement von nur 30 Sekunden pro Zug. Nach 66 Z\u00fcgen aber lie\u00df ich dann doch Luft rein. Sechs Z\u00fcge sp\u00e4ter hatte Niclas meine Verteidigung gebrochen und seinen Materialvorteil im Mattangriff zum Sieg verwertet. Wenn es etwas gibt, was ich im Schach gut kann, dann ist es, schlechte Stellungen z\u00e4h zu verteidigen. Die Niederlage gegen Niclas war schon ziemlich knapp. F\u00fcr gew\u00f6hnlich spiele ich nicht gegen derart hochkar\u00e4tige Gegner. Selbst gegen Internationale Meister oder schw\u00e4chere Gro\u00dfmeister halte ich eine Stellung wie in der Partie gegen Niclas noch etwa in der H\u00e4lfte der F\u00e4lle Remis. Vor einem Jahr in M\u00fcnchen war mir sogar das Kunstst\u00fcck gelungen, als einziger Spieler im Kandidatenturnier keine Partie zu verlieren, und das trotz unz\u00e4hligen Verluststellungen. Aber jetzt, hier in Dresden, war die Luft viel d\u00fcnner f\u00fcr mich.<\/p><p>Auch meine folgende Partie gegen Luis Engel bot einiges an Drama. Gegen seinen Najdorf-Sizilianer hatte ich vor dem Turnier \u00fcber viele Stunden hinweg eine Variante mit dem Computer ausget\u00fcftelt, die mir mein Er\u00f6ffnungscoach empfohlen hatte. Eine tiefere Er\u00f6ffnungsvorbereitung hatte ich noch nie vor einer Schachpartie und doch war es nicht m\u00f6glich gewesen, auch noch die letzte Abzweigung in dem Variantenkomplex bis zum Remis durch Dauerschach aus zu analysieren. Und genau diese letzte M\u00f6glichkeit zauberte dann Luis aufs Brett. Die ersten 20 Z\u00fcge der Theorieschlacht spielten wir beide a tempo. Ich kannte sogar noch die n\u00e4chsten drei Z\u00fcge. Aber Er\u00f6ffnungsvorteil hatte ich trotzdem nicht und die Stellung blieb sehr zweischneidig. Mit ausgekl\u00fcgelten Man\u00f6vern setzte Luis mich unter Druck. Er \u00fcberlie\u00df mir die Bettmitte, navigierte seinen Springer an den Rand und seine Dame auf die eigene Grundreihe, und erzwang so einen Damentausch. Wieder musste ich ein schlechteres Endspiel verteidigen. Den letzten, partieentscheidenden Fehler beging ich im 47. Zug, als ich zwar die richtige Verteidigungsidee w\u00e4hlte, aber in leicht falscher Ausf\u00fchrung. Nach 60 Z\u00fcgen blieb mir im Leichtfiguren-Endspiel nur noch die Resignation. Nach der Partie erz\u00e4hlte mir Luis, dass er meine Er\u00f6ffnungsvariante vor dem Turnier noch nicht gekannt hatte, sie aber zuf\u00e4lligerweise zwei Tage zuvor in Dresden bei der Vorbereitung auf einen anderen Gegner entdeckt hatte. Luis lobte mich f\u00fcr meine tiefe Er\u00f6ffnungsvorbereitung, die mir am Ende aber doch nichts eingebracht hatte. Im Nachhinein ist klar, dass ich noch mehr Stunden in die Analyse der Variante h\u00e4tte stecken sollen, bevor ich sie gegen einen Najdorf-Experten wie Luis einsetze. Vor der Partie war es mir nicht klar und auch mein Er\u00f6ffnungscoach fand es unglaublich, dass Luis sich derart gut auskannte. Von allen meinen Niederlagen in Dresden und allen starken Z\u00fcgen, die ich in Dresden von meinen Gegner vorgesetzt bekam, hat mich nichts mehr beeindruckt als die Man\u00f6ver von Luis in diesem Mittelspiel, die mich zum Damentausch und damit in eine schlechtere Endspielstellung zwangen.<\/p><p>Mit einem halben Punkt aus vier Partien war meine erste Turnierh\u00e4lfte ziemlich misslungen, aber hochmotiviert setzte ich mich auch in der 5. Runde ans Brett. Diesmal hie\u00df der Gro\u00dfmeister, der mir gegen\u00fcber sa\u00df, Dennis Wagner. Obwohl er ein Amateur ist, z\u00e4hlt Dennis zu den besten Spieler Deutschlands. Diesmal ging meine Er\u00f6ffnung furchtbar schief. In einer unscheinbaren Nebenvariante des Ragozin-Komplex bog ich falsch ab und stand fr\u00fch positionell bedenklich, wenn nicht sogar auf Verlust. Wieder \u00fcberraschte mich die St\u00e4rke eines gegnerischen Randspringers und schon im Mittelspiel k\u00e4mpfte ich hartn\u00e4ckig darum, \u00fcberhaupt irgendwie zu \u00fcberleben. \u00c4hnlich wie in meiner Partie gegen Niclas bleib ich z\u00e4h und nach unz\u00e4hligen Klimmz\u00fcgen meinerseits war ich zur\u00fcck in der Partie. Es ergab sich ein hochspannendes Leichtfiguren-Endspiel, in welchem ich zwar einen Bauern weniger hatte, daf\u00fcr mit L\u00e4ufer gegen Springer aber \u00fcber die bessere Leichtfigur verf\u00fcgte. Leider griff ich im 54. Zug fehl und verpasste hier einen Weg zum Remis. \u00c4hnlich wie Niclas hatte Dennis zu diesem Zeitpunkt auch nur noch eine Minute Bedenkzeit \u00fcbrig, aber genauso wie Niclas gab sich auch Dennis in dieser Situation keine Bl\u00f6\u00dfe. Dieses Mal dauerte die Partie 69 Z\u00fcge, ehe ich mich schlie\u00dflich geschlagen geben musste.<\/p><figure id=\"attachment_1790\" aria-describedby=\"caption-attachment-1790\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1790\" src=\"https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_5web-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_5web-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_5web-300x200.jpg 300w, https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_5web-768x512.jpg 768w, https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DEM_2026_Braun_Runde_5web.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1790\" class=\"wp-caption-text\">In der 5. Runde trifft Georg Braun gegen Gro\u00dfmeister Dennis Wagner eine verh\u00e4ngnisvolle Entscheidung in der Er\u00f6ffnung.<\/figcaption><\/figure><p>Somit war ich bei einem halben Punkt aus 5 Partien angelangt. Fester Bestandteil meines Tagesablaufs war inzwischen, mit dem einen oder anderen Schachfreund aus den parallel stattfindenden anderen Meisterschaften abends ein Restaurant aufzusuchen und neben dem Essen auch unsere gespielten Partien und meine Niederlagen ausf\u00fchrlich zu studieren. F\u00fcr diese mentale Unterst\u00fctzung bin ich sehr dankbar und an einem Abend gesellte sich mit Dr. Philipp Kaulich ein alter Freund aus Kiel dazu. Mit Philipp wurde ich mit dem SK Bebenhausen einst 5 mal Deutscher Jugendmannschaftsmeister in den Altersklassen U16 und U20. Ach wie einfach war die Jugendzeit!<\/p><p>In Runde 6 hatte ich wieder Wei\u00df und ging erneut hochmotiviert in die Partie. Tats\u00e4chlich witterte ich schon in der Vorbereitung, welche Sizilianisch-Variante mir der 18-j\u00e4hrige Gro\u00dfmeister Leonardo Costa an diesem Tag vorsetzen w\u00fcrde. Normalerweise spielt Leonardo nicht den klassischen Sizilianer, sondern nur, wenn er gegen einen deutlich schw\u00e4cheren Gegner gewinnen muss. Ich entschied mich f\u00fcr den Fischer-Sosin-Angriff. Und dann, zur Verwunderung aller, begann Leonardo in der Er\u00f6ffnung nach etwa sechs Z\u00fcgen nachzudenken und zu improvisieren. Was er da am Brett spielte, war objektiv sicher nicht gut, aber es brachte mich komplett aus dem Konzept. Es ergab sich eine sehr ungew\u00f6hnliche und extrem zweischneidige Stellung. Im 12. Zug h\u00e4tte ich meine Dame nach b5 stellen sollen und der Computer h\u00e4lt meine Stellung bereits f\u00fcr gewonnen. Ich entschied mich aber im 13. Zug f\u00fcr den Damenausfall, wonach ich schon schlechter stand und wenig sp\u00e4ter mit dem K\u00f6nig \u00fcber das ganze Brett gejagt wurde. Nach bereits 24 Z\u00fcgen war das Matt nicht mehr abzuwehren und ich musste die Partie f\u00fcr verloren erkl\u00e4ren. Was f\u00fcr eine surreale Partie! Ein Gro\u00dfmeister, der eine extrem zweischneidige Sizilianisch-Variante w\u00e4hlt, um gegen einen schwachen Gegner auf Sieg zu spielen. Dann, nach 6 Z\u00fcgen, kennt der Gro\u00dfmeister die Er\u00f6ffnungstheorie aber nicht mehr und f\u00e4ngt an zu improvisieren. Und damit fegt er mich innerhalb von 24 Z\u00fcgen vom Brett, wie ich es seit Jahren nicht mehr erlebt habe. Ohne Zweifel mein pers\u00f6nlicher Tiefpunkt im Turnier. F\u00fcr Leonardo, der die Deutsche Meisterklasse schlie\u00dflich gewinnen sollte, eine au\u00dfergew\u00f6hnliche und verdammt wichtige Partie.<\/p><p>Vor den zwei anstehenden Schwarzpartien fragte ich meinen Trainer per SMS um Rat. Ich soll logische Z\u00fcge spielen. Und die restlichen Partien genie\u00dfen, denn auf mich warten noch die zwei Spieler, die aktuell in der deutschen Nationalmannschaft spielen. Aber bevor es soweit war, ging es erstmal in der 7. Runde gegen Tobias K\u00fcgel, den ich aus den deutschen Kandidatenturnieren der letzten Jahre kenne. Unsere umk\u00e4mpften Partien sind bisher immer im Remis geendet. Es gibt eine Sache, die Tobias und mich von den restlichen Spielern im Teilnehmerfeld unterscheidet. Wir haben beide in unserer Jugend eher bescheidene Einzelerfolge gefeiert, keine Gro\u00dfmeisternormen oder gar Gro\u00dfmeistertitel, wie es bei unseren Gegnern in Dresden der Fall war. Immerhin hat es Tobias im Erwachsenenalter &#8211; im Gegensatz zu mir &#8211; noch geschafft, Internationaler Meister zu werden. Nach dem Ratschlag meines Trainers verwarf ich in der Vorbereitung gegen Tobias eine Computervariante, die ich seit Jahren schon mal zum Einsatz bringen m\u00f6chte. Ich suchte in meiner Vorbereitung nicht mehr mit der Engine nach dem jeweils st\u00e4rksten Zug, sondern immer nach dem Zug, der f\u00fcr mich als Menschen am logischsten war. Als Resultat bekam ich gegen Tobias eine sichere Stellung, wobei er aber wegen dem L\u00e4uferpaar einen langfristigen kleinen Vorteil besa\u00df. \u00dcberraschend f\u00fcr mich war Tobias an diesem Tag aber friedfertig gestimmt und bald endete die Partie durch eine Zugwiederholung im Remis. Damit hatte sich Tobias den vorletzten Platz gesichert. Zwei Runden vor Schluss war klar, dass ich den letzten Platz belegen w\u00fcrde. Aber immerhin bedeutete das Remis f\u00fcr mich das Ende meiner Serie von Niederlagen.<\/p><p>Weniger vorbereiten, menschliche Z\u00fcge, m\u00f6glichst keine Computerz\u00fcge. So hielt ich es auch in meiner Vorbereitung f\u00fcr die 8. Runde gegen Gro\u00dfmeister Alexander Donchenko. Die Er\u00f6ffnungsvarianten, die ich vorbereitet hatte, kamen aber nicht aufs Brett, aber so war es auch f\u00fcr Alexander. Am Brett entschied er sich gegen Nimzo-Indisch f\u00fcr eine sichere Nebenvariante. Ich konnte mich erinnern, was ich hier vor Wochen dagegen analysiert hatte und erreichte schlie\u00dflich ein Endspiel mit einer zweischneidigen Benoni-Struktur. Hier spielte Alexander an einer Stelle zu verhalten und verlor durch ein Springer-Man\u00f6ver einen Zug Zeit. Ich ergriff die Initiative am Damenfl\u00fcgel und sicherte mir einen gedeckten Freibauern. Im Gegenzug musste ich eine Bauernschw\u00e4che hinnehmen, die Alexander langfristig mit seinen Leichtfiguren belagern wollte. W\u00e4hrend meine Bedenkzeit immer knapper wurde und Alexander am Zug war, kam mir ein Gedankenblitz. A Tempo beantwortete ich den n\u00e4chsten Zug von Alexander mit einem Springerausfall nach h5, der den Abtausch eines Leichtfigurenpaars erzwang, meine Struktur am K\u00f6nigsfl\u00fcgel aber komplett ruinierte. Alexander hatte mit dem Springerzug nach h5 offensichtlich nicht gerechnet, und ich bin mir nicht sicher, ob er auf Anhieb verstand, warum ich diesen Zug spielte. Auch der ein oder andere Zuschauer war schockiert und ein anwesender Internationaler Meister erkl\u00e4rte mir sp\u00e4ter, er h\u00e4tte beim Kiebitzen \u00fcberhaupt nicht verstanden, was ich da tat. Aber an dem Tag, in dieser Endspielstellung, f\u00fchlte ich einfach die Initiative und spielte kompromisslos weiter. Ich meisterte auch die anstehende Zeitnotphase, in der ich einen wichtigen Bauern am Damenfl\u00fcgel gewann, und schlie\u00dflich f\u00fchrte ich mit zwei verbundenen Freibauern das Endspiel zum Sieg. Bei der anschlie\u00dfenden Analyse meiner Partie im Livestream erw\u00e4hnt Gro\u00dfmeister Klaus Bischoff zu meinem Springerausfall nach h5 eine ber\u00fchmte Partie des WM-Kampfs 1972 zwischen Spassky und Fischer. Klaus und ich kennen beide diese Partie und wissen, dass der Vergleich zu Fischers Springerzug nach h5 hinkt. Fischer spielte den Zug in einer ganz anderen Stellung und mit ganz anderen Absichten als ich. Aber das war in diesem Moment egal. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich vor 18 Jahren am gleichen Ort als Zuschauer gespannt der Live-Kommentierung von Klaus gelauscht habe. 2008 fand im Kongresszentrum in Dresden die Schach-Olympiade statt. Als Jugendlicher spielte ich damals in einem der Begleit-Turniere f\u00fcr Amateure mit und das Highlight f\u00fcr mich war die Kommentierung der Meisterpartien durch Klaus. Jetzt, 18 Jahre sp\u00e4ter, finden zwar nur die Deutschen Meisterschaften in Dresden statt. Aber wieder kommentiert der in Ulm geborene Gro\u00dfmeister Klaus Bischoff die Partien und zumindest in diesem Jahr auch die Partien von mir, FM Georg Braun. Was f\u00fcr ein Moment! Mit dem Sieg gegen Alexander fiel unvorstellbar viel Druck und Frust von mir ab. Mit 2 Punkten war meine Ausbeute in dem Turnier immer noch bescheiden, aber gemessen an meiner Wertungszahl und der St\u00e4rke meiner Gegner ungef\u00e4hr das, was man statistisch erwarten w\u00fcrde. Mein Turnier war gerettet.<\/p><p>In der Schlussrunde spielte ich gegen Rasmus Svane, dessen acht Partien zuvor alle im Remis geendet waren. Aber in der Schlussrunde, gegen den wohl schw\u00e4chsten Teilnehmer im Feld, wollte Rasmus immer unbedingt gewinnen. So wurde ich erneut von einer Variante im Sizilianer \u00fcberrascht. Leider hatte ich schon vergessen, was mir Elisabeth P\u00e4htz vor einer Woche \u00fcber solche Situationen erkl\u00e4rt hatte. N\u00e4mlich, dass man in einer solchen Situation die Variante spielen sollte, die man am besten kennt. Am Brett entschied ich mich, eine neue Idee auszuprobieren, die vor gerade mal drei Tagen noch Teil meiner Partievorbereitung gewesen war. Aber ich konnte mich an einer wichtigen Stellung nicht mehr an einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Bauernvorsto\u00df am Damenfl\u00fcgel erinnern. Das erwies sich als gro\u00dfes Problem und in der Folge geriet ich in eine passive Stellung. Rasmus \u00fcbernahm die Initiative, \u00f6ffnete die Stellung und in der Zeitnotphase schaffte ich es nicht mehr, meine Verteidigung aufrecht zu erhalten.<\/p><p>Bei der diesj\u00e4hrigen Deutschen Meisterklasse triumphierten die j\u00fcngsten Teilnehmer. Neuer Deutscher Meister wurde Leonardo Costa mit 6 Punkten. Den 2. Platz und eine Gro\u00dfmeister-Norm sicherte sich Bennet Hagner mit 5,5 Punkten, vor dem punktgleichen Luis Engel, der in der Schlussrunde eine dramatische Niederlage gegen Donchenko hinnehmen musste. Alle sind gespannt, wie sich Leonardo und Bennet schachlich weiterentwickeln werden. Die Abiturpr\u00fcfungen im n\u00e4chsten Jahr werden sie sicher nicht aufhalten.<\/p><p>Nach der Abreise aus Dresden kommt f\u00fcr mich ein harter Bruch. Am n\u00e4chsten Tag muss ich direkt wieder in Stuttgart arbeiten. Nach diesen elf Tagen Urlaub in Dresden ist das jetzt aber genau das Richtige f\u00fcr mich. In den letzten Tagen habe ich mir sehr viele Gedanken \u00fcber das extrem harte Leben eines Schachprofis gemacht. Zum Gl\u00fcck bin ich nur ein Amateur. Zum Gl\u00fcck spiele ich nur einmal im Leben in einem solchen Turnier mit. Aber schon sehr bald bin auch ich wieder am Start: Beim Meisterturnier des W\u00fcrttembergischen Schachfestivals in Ostfildern-Ruit.<\/p><p>Vorbericht des Deutschen Schachbundes: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.schachbund.de\/news\/der-mathematiker-die-meisterklasse-und-eine-riesige-menge-an-daten.html\">https:\/\/www.schachbund.de\/news\/der-mathematiker-die-meisterklasse-und-eine-riesige-menge-an-daten.html<\/a>&#8222;.<\/p><p>Alle Ergebnisse zur Deutschen Meisterklasse und weiteren Deutschen Meisterschaften: <a href=\"https:\/\/s3.chess-results.com\/tnr1447809.aspx?lan=25&amp;art=1&amp;SNode=S0\">https:\/\/s3.chess-results.com\/tnr1447809.aspx?lan=25&amp;art=1&amp;SNode=S0<\/a><\/p><p>Alle Partien der Deutschen Meisterklasse zum Nachspielen: <a href=\"https:\/\/lichess.org\/broadcast\/german-chess-championship-2026-masters-men\/round-1\/vBaOuYrN\">https:\/\/lichess.org\/broadcast\/german-chess-championship-2026-masters-men\/round-1\/vBaOuYrN<\/a><\/p><p>Der Deutsche Schachgipfel 2026 in Dresden: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.schachgipfel.de\/\">https:\/\/www.schachgipfel.de\/<\/a>&#8222;.<\/p><p>Georg Brauns Siegpartie gegen Gro\u00dfmeister Alexander Donchenko zum Nachspielen: <a href=\"https:\/\/lichess.org\/broadcast\/german-chess-championship-2026-masters-men\/round-8\/kI8zp01N\/LZdwIrLb\">https:\/\/lichess.org\/broadcast\/german-chess-championship-2026-masters-men\/round-8\/kI8zp01N\/LZdwIrLb<\/a><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-96717df elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"96717df\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element 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