{"id":1906,"date":"2019-03-17T00:00:00","date_gmt":"2019-03-17T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/?p=1001"},"modified":"2019-03-17T00:00:00","modified_gmt":"2019-03-17T00:00:00","slug":"die-mutter-aller-niederlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sk-bebenhausen.schachvereine.de\/?p=1906","title":{"rendered":"Die Mutter aller Niederlagen"},"content":{"rendered":"<p>Schach<\/p>\n<p>Die Mutter aller Niederlagen<\/p>\n<p>SK Bebenhausen scheitert im Deutschen Pokal tragisch<\/p>\n<p>ORANIENBURG. Das aufregendste Wochenende in der Vereinsgeschichte endete f\u00fcr den Schachklub Bebenhausen 1992 tragisch. Haarscharf verpassten die Sch\u00f6nbucher ein Weiterkommen in der Deutschen Pokal-Mannschaftsmeisterschaft. Obwohl sie es bis ins Finale h\u00e4tten schaffen k\u00f6nnen, standen sie am Ende mit leeren H\u00e4nden da.<\/p>\n<p>Nach einer \u00fcber achtst\u00fcndigen Fahrt waren die Goldersbacht\u00e4ler im brandenburgischen Oranienburg angekommen. Dort warteten mit dem SK Zehlendorf, den SF Lieme und dem SC Oranienburg bereits die Gegner f\u00fcr das Achtel- und Viertelfinale der Deutschen Pokal-Mannschaftsmeisterschaft, die im Fu\u00dfball dem DFB-Pokal entspricht. Wer am Samstag das Achtelfinale \u00fcberstand, war auch schon f\u00fcr die n\u00e4chste Saison f\u00fcr die Pokal-Mannschaftsmeisterschaft auf Deutscher Ebene vorqualifiziert. Wer am Sonntag auch noch das Viertelfinale gewann, stand im Halbfinale des Deutschen Pokal-Wettbewerbs. In diesem Fall h\u00e4tten die Bebenh\u00e4user als niederklassigster Verein das Recht auf die Heim-Ausrichtung der Final Four gehabt. Entsprechend motiviert fuhren die Sch\u00f6nbucher gen Nord-Osten. Aber schon die Auslosung der Achtelfinalpaarungen vor Ort sorgte f\u00fcr Ern\u00fcchterung. Bebenhausen wurde keines der beiden Teams aus Lieme oder Oranienburg, mit denen sich die Goldersbacht\u00e4ler auf Augenh\u00f6he sahen, sondern der einzige dicke Brocken, der Zweitligist SK Zehlendorf zugelost.<\/p>\n<p>An den Brettern war dann auch schnell klar, dass die W\u00fcrttemberger vor einer sehr schweren Aufgabe standen. Georg Braun hatte am Spitzenbrett gegen Gro\u00dfmeister Jakob Meister schon in der Er\u00f6ffnung Schwierigkeiten und auch Youngster David Wendler hatte an Brett 4 mit Schwarz gegen den fast 200 Elopunkte &#8222;schwereren&#8220; Daniel Malek einen sehr schweren Stand. Lediglich die beiden Wei\u00dfpartien konnten die Bebenh\u00e4user offen gestalten. Bei Andreas Carstens (Brett 3) und Rudolf Br\u00e4uning (2) wechselten sich die Stellungsvorteile immer wieder ab. Ernsthaft Hoffnung keimte bei den Sch\u00f6nbuchern erstmals auf, als Braun seine Stellung konsolidieren konnte. Bei Carstens war zuerst ein Sieg angesagt, danach verschlechterte sich die Lage jedoch immer mehr bis der Bieringer ein verzweifeltes Opfer brachte. Als alle mit einer Niederlage f\u00fcr Carstens rechneten, \u00fcberschritt dessen Gegner v\u00f6llig \u00fcberraschend die Bedenkzeit, was das 1:0 f\u00fcr Bebenhausen bedeutete. Die F\u00fchrung hielt jedoch nicht lange, da Wendler nie ins Spiel kam und nach 4 Stunden Spielzeit chancenlos verlor.<\/p>\n<p>Nun hing alles an den beiden Spitzenbrettern, an denen die Partie von Br\u00e4uning inzwischen mehr Sorgen bereitete als die ausgeglichene Stellung von Braun. Allerdings war Braun erheblich unter Zeitdruck. Die Ausgangslage war klar: Gewinnt Braun, interessiert das Ergebnis von Br\u00e4uning nicht mehr, da Bebenhausen nach Berliner Wertung an den h\u00f6heren Brettern gewonnen hatte. Gehen beide Partien remis aus, gewinnt Bebenhausen ebenfalls nach Berliner Wertung, weil Carstens an Brett 3 gewonnen und Wendler an Brett 4 verloren hatte. Gewinnt Br\u00e4uning und Braun verliert, werden wegen Gleichstand nach Berliner Wertung Blitzpartien f\u00e4llig. Hochspannung bei allen Spielern und Zuschauern war angesagt. Die jeweiligen Mannschaftskameraden besprachen sich nat\u00fcrlich: &#8222;Gewinnst Du?&#8220;,  &#8222;Reicht ein Remis bei mir?&#8220;, &#8222;Muss ich auf Gewinn spielen?&#8220;. Br\u00e4uning war jedenfalls froh, als nach 78 Z\u00fcgen und \u00fcber sechs Stunden Spielzeit nur noch zwei K\u00f6nige auf dem Schachbrett standen und die Punkteteilung in trockenen T\u00fcchern war. Nun lastete der ganze Druck auf Braun. Der 25-j\u00e4hrige Riedericher hatte sich in der Zwischenzeit v\u00f6llig befreit und das Remis war greifbar. Sein erfahrener Gegner spielte jedoch unaufh\u00f6rlich auf Gewinn. Nach 89 Z\u00fcgen beging Braun eine erste Nachl\u00e4ssigkeit. Im Bestreben weiterer Vereinfachungen tauschte er seinen gut stehenden Springer gegen den schlechter stehenden Springer des Gro\u00dfmeisters. In der Folgezeit spielte der T\u00fcbinger Mathematik-Student immer passiver. Als er sich immer mehr einigelte, beschlich auch seine Mannschaftskameraden das Gef\u00fchl, dass diese Taktik schief gehen k\u00f6nnte. Die Berliner Schachkoryph\u00e4en waren sich nicht einig, ob die Stellung von Braun halten oder nicht halten w\u00fcrde. Schlie\u00dflich zeichnete sich ab, dass der Goldersbacht\u00e4ler in Zugzwang kommen w\u00fcrde. Als Braun nach 137 Z\u00fcgen (137 wei\u00dfe Z\u00fcge und 136 schwarze Z\u00fcge!) und \u00fcber sieben Stunden Spielzeit zusammenbrach, war der Jammer auf Bebenh\u00e4user Seite nat\u00fcrlich gro\u00df und alle Zuschauer dr\u00fcckten den Bebenh\u00e4usern ihr Bedauern aus. Den Parallelkampf gewannen die SF Lieme (Stadtteil von Lemgo) mit 3:1 gegen den SC Oranienburg. Nach einer kurzen Nacht der n\u00e4chste Schock f\u00fcr die Sch\u00f6nbucher. Kurz nach dem Fr\u00fchst\u00fcck wurden sie vom Referenten f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Deutschen Schachbundes Frank Hoppe dar\u00fcber unterrichtet, dass die Computer in der Zwischenzeit gefunden hatten, dass Braun im 123. Zug eine studienhafte Rettung ins Remis \u00fcbersehen hatte.<\/p>\n<p>Aber die W\u00fcrttemberger standen mit leeren H\u00e4nden da und hatten au\u00dfer Sympathien nichts gewonnen. Nicht einmal die Vorqualifikation f\u00fcr die n\u00e4chstj\u00e4hrige Deutsche Pokalrunde war geschafft. Das Viertelfinale gewann Zehlendorf locker mit 4:0 gegen nur drei Spieler der SF Lieme, was die Bebenh\u00e4user Trauer noch versch\u00e4rfte. Auch mit der Ausrichtung des Final Four in T\u00fcbingen wird es nun nichts. Im Halbfinale stehen neben dem SK Zehlendorf, der Deutsche Rekordmeister OSG Baden-Baden 1922, die SF Emstal\/Wolfhagen und \u00fcberraschend der Greifswalder SV. Gegen den Greifswalder SV, der im Halbfinale sensationell die Profitruppe des SK Kirchweyhe 1947 ausschaltete, w\u00e4ren die Sch\u00f6nbucher in einem Halbfinale ebenb\u00fcrtig gewesen, so dass sogar das Erreichen des Deutschen Pokal-Finales denkbar gewesen w\u00e4re. H\u00e4tte, wenn und aber. Die Bebenh\u00e4user verbrachten vor der sonntagabendlichen neunst\u00fcndigen Heimreise noch einen halben Tag im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen vor den Toren Oranienburgs.<\/p>\n<p>INFO: Auch auf der Seite des Deutschen Schachbundes gibt es einen ausf\u00fchrlichen Bericht, mit Bildern, Videos und Partieanalyse unter &#8222;https:\/\/www.schachbund.de\/spielbetrieb-news\/pokalsensation-greifswald-besiegt-grossmeistertruppe-und-steht-in-der-finalrunde.html&#8220;. Am kommenden Sonntag geht es f\u00fcr den SK Bebenhausen bereits wieder um die Wurst. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte droht der Abstieg aus der Oberliga W\u00fcrttemberg. In Schmiden gibt es um 10 Uhr ein Entscheidungsspiel zwischen dem Schachklub Schmiden\/Cannstatt 1880 und dem Schachklub Bebenhausen 1992.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schach Die Mutter aller Niederlagen SK Bebenhausen scheitert im Deutschen Pokal tragisch ORANIENBURG. Das aufregendste Wochenende in der Vereinsgeschichte endete f\u00fcr den Schachklub Bebenhausen 1992 tragisch. Haarscharf verpassten die Sch\u00f6nbucher ein Weiterkommen in der Deutschen Pokal-Mannschaftsmeisterschaft. Obwohl sie es bis ins Finale h\u00e4tten schaffen k\u00f6nnen, standen sie am Ende mit leeren H\u00e4nden da. 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