Georg Braun ist Württembergischer Meister

Schach

Georg Braun ist Württembergischer Meister

Oberligaspieler des SK Bebenhausen erfüllt Internationale-Meister-Norm

WEISSACH. Für großes Aufsehen sorgte Georg Braun vom Schachklub Bebenhausen 1992 bei den diesjährigen württembergischen Einzelmeisterschaften. Braun war erst kurzfristig als Nachrücker in die stärkste Gruppe, die in Form eines internationalen Meisterturniers ausgetragen wurde, aufgestiegen. Mit 5,5 Punkten aus 9 Partien wurde der Goldersbachtäler nicht nur neuer Württembergischer Meister, sondern erzielte auch seine erste Norm für den Titel „Internationaler Meister“.

Das Turnier begann nicht optimal für den 25-jährigen Riedericher. In der ersten Runde traf Braun auf den dreifachen württembergischen Meister Jens Hirneise und kam mit Weiß sehr bescheiden aus der Eröffnung. Mit einigen sorgfältigen Zügen im Mittelspiel gelang es Braun aber, seinen Nachteil in Grenzen zu halten. Die Partie zwischen den beiden Fidemeistern (FM) endete schließlich in einem Unentschieden.

Seine zweite Partie spielte Braun gegen Großmeister (GM) Yuri Solodovnichenko. Der Ukrainer war einer von vier Großmeistern, die als Einladungsspieler dem Turnier internationales Flair verliehen. In der sizilianischen Drachenvariante hielt der Bebenhäuser Spitzenspieler lange gut mit, landete dann aber in einem Damenendspiel mit Minusbauer und musste nach 72 Zügen eine knappe und bittere Niederlage einstecken.

Brauns dritte Partie gegen den amtierenden württembergischen Meister und IM Jaroslaw Krassowizkij stellte sich als entscheidend für den weiteren Turnierverlauf heraus. Wiederum geriet Braun in der Eröffnung in Bedrängnis, kämpfte sich dann aber zurück in die Partie und machte nach einem gegnerischen Bauerneinsteller kurzen Prozess. Der erste Sieg von Braun bedeute zudem auch die dritte Niederlage für Krassowizkij, der damit einen üblen Fehlstart erlitt.

In der vierten Runde griff Braun gegen den tschechischen GM Petr Velicka zu einem Igelaufbau und musste lange darum kämpfen, sein Figurenstellung zu entwirren. Schließlich gelang es dem Schönbucher aber, eine sichere Auffangsstellung einzunehmen, in der er sich dann beide Seiten auf eine Punkteteilung verständigten.

In der fünften Runde spielte Braun gegen den dreifachen württembergischen Meister Thilo Kabisch, den er bereits in der Eröffnung unter erheblichen Druck setzte. Nachdem Kabisch auch im Mittelspiel unglücklich agierte, konnte Braun einen wichtigen Damenschwenk durchführen und seinen ersten überzeugenden Sieg in diesem Turnier landen.

Brauns Gegner in der sechsten Runde war Dmitriy Anistratov, der stärkste Spieler des Oberligavereins SV Jedesheim. Anistratov hatte mit Braun noch eine Rechnung offen; Bei der württembergischen Meisterschaft 2012 hätte dem Kasachen in der Schlussrunde ein Remis zum Württembergischer Meistertitel gereicht. Doch Braun gewann die Partie, die für ihn selbst keine große Relevanz hatte, und verdarb seinem Gegner damit das Turnier. In diesem Jahr versuchte Anistratov, das von Braun gespielte Wolga-Gambit zu widerlegen, geriet aber in eine passive und schwer spielbare Stellung, in der er in hochgradiger Zeitnot einen Turm und die Partie einstellte. Nun war klar, dass Braun nicht nur Favorit auf den Württembergischen Meistertitel war, sondern auch realistische Chancen auf eine Internationale Meister-Norm hatte.

In der siebten Runde traf Braun mit den weißen Steinen auf den französischen GM Anthony Wirig, der eine Nebenvariante der sizilianischen Verteidigung wählte, welche Weiß eine Zugwiederholung ermöglichte. Dem Goldersbachtäler war der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach und Braun nachm das stille Remisangebot seines Gegners an.

In der achten Runde wartete mit dem russischen GM Evgeny Romanow das Schwergewicht des Turniers auf den mit Schwarz spielenden Braun. Romanov dominierte als nominell stärkster Teilnehmer das Turnier von Anfang bis Ende. In der Trompovsky-Eröffnung schien Braun zunächst eine akzeptable Position zu erhalten, doch es gelang ihm nicht, den gegnerischen Druck ganz abzuschütteln. Mit einem Läuferopfer erreichte Romanov schließlich ein Endspiel mit vier Bauern gegen einen Läufer, das er mit großmeisterlicher Technik zum Sieg verwertete. Aufgrund der anderen Ergebnisse war Braun aber bereits eine Runde vor Schluss der Württembergische Meistertitel sicher. Doch der Schönbucher wollte mehr.

Um eine IM-Norm unter Dach und Fach zu bringen, stand Braun in der Schlussrunde gegen Marc Gustain unter Siegzwang. Gemessen an seiner Wertungszahl war der Deizisauer zwar der schwächste Spieler im Feld, doch Gustain spielte bisher ein hervorragendes Turnier. In der skandinavischen Eröffnung zeigte sich Braun gut vorbereitet und konnte aufgrund seines Läuferpaars leichten Vorteil reklamieren. Im Mittelspiel setzte er seinen Gegner in der Zeitnotphase unter Druck und erzwang eine entscheidende Schwächung, die Braun den Sieg und damit seine erste IM-Norm bescherte.

Die Endtabelle des Internationalen Meisterturniers der Württembergischen Meisterschaft nach 9 Runden:

1. GM Evgeny Romanov 8,5 Punkte

2. GM Yuri Solodovnichenko 7 Punkte

3. GM Anthony Wirig 6 Punkte

4. FM Georg Braun 5,5 Punkte

5. GM Petr Velicka 5 Punkte

6. IM Jaroslaw Krassowizkij 4 Punkte

7. Marc Gustain 3 Punkte

8. FM Dmitriy Anistratov 2 Punkte

9. FM Thilo Kabisch 2 Punkte

10. FM Jens Hirneise 2 Punkte

Als bester Nicht-Einladungsspieler wurde Georg Braun neuer württembergischer Meister. Er hat sich damit für die Teilnahme an der nächsten Deutschen Einzelmeisterschaft qualifiziert, die voraussichtlich Anfang Mai 2020 in Magdeburg stattfindet, ebenso für das nächstjährige württembergische Meisterturnier, bei dem auch Jarowslaw Krassowizkij und Marc Gustain durch ihr Turnierergebnis startberechtigt sind. Bei dem zeitgleich zum Meisterturnier ausgetragenen Kandidatenturnier haben in diesem Jahr Sebastian Fischer (SF Deizisau) sowie Nachwuchstalent Danny Yi (SF Kornwestheim) die ersten beiden Plätze belegt und sich somit für das nächstjährige Meisterturnier qualifiziert.

Für den Bebenhäuser Spitzenspieler Georg Braun ist sein Abschneiden bei der diesjährigen württembergischen Meisterschaft der größte Einzelerfolg seiner bisherigen Schachlaufbahn. Braun zeichnet sich durch eine enorme Kampfkraft und Zähigkeit aus, die ihn auch in schlechteren Stellungen nicht die Nerven verlieren läßt. Braun ist einer der wenigen Verbliebenen aus der ruhmreichen Bebenhäuser Jugendmannschaft, die zwischen 2009 und 2014 fünf Deutsche Mannschaftsmeister-Titel gewann. Zu seinen studienbedingt in alle Himmelsrichtungen verstreuten ehemaligen Mannschaftskameraden hält Braun Kontakt. Erst im Juli organisierte Braun, dass acht Kumpels den in Kiel studierenden Philipp Kaulich besuchen und das dortige Open mitspielen.

Porträt Georg Braun:

Georg Braun wurde am 19.2.1994 in Laichingen geboren. Er wuchs in Schopfloch(Lenningen) auf und wohnt seit 11 Jahren in Riederich. Er arbeitet zur Zeit an der Universität Tübingen an seiner Mathematik-Doktorarbeit. In der Wahrscheinlichkeitstheorie untersucht Braun das Langzeitverhalten von zufälligen Prozessen.

Schach gelernt hat Georg Braun mit 8 Jahren von seinem Vater. Von 2003 bis 2008 trainierte er bei den SF Nabern. Seit 2008 trainiert Braun beim Schachklub Bebenhausen. Viele Jahre genoss Braun auch Schachunterricht bei Frank Zeller, dem bisher einzigen Internationalen Meister in Tübingen. In der Zwischenzeit spielt Braun beim SK Bebenhausen in der Oberliga Württemberg am Spitzenbrett.

Brauns größte schachliche Erfolge:

– Württembergischer Jugendeinzelmeister 2006 (U12), 2007 (U14), 2010 (U16)

– Deutscher Ländermeister mit der Auswahl der Württembergischen Schachjugend 2006

– 1. Platz bei der Deutschen Vereins-Jugend-Mannschaftsmeisterschaft U16 in den Jahren 2009 und 2010 mit dem SK Bebenhausen

– 1. Platz bei der Deutschen Vereins-Jugend-Mannschaftsmeisterschaft U20 in den Jahren 2012, 2013 und 2014 mit dem SK Bebenhausen

– Topscorer der Oberliga Württemberg der Saison 2013/2014 mit 7,5 Punkten aus 9 Partien am 3. Brett

– Debüt als Jugend-Nationalspieler beim Freundschaftskampf zwischen der deutschen und französischen Schachjugend im Juli 2014 mit 2 Punkten aus 2 Partien am 1. Brett

– 1. Platz bei der Württembergischen Blitz-Mannschaftsmeisterschaft 2014 und 2018 sowie ebenfalls Qualifikation für die Deutsche mit Platz 2 in den Jahren 2012, 2016 und 2019.

– Titel Fidemeister (FM) im Jahr 2017

Links:

– Berichterstattung Württembergische Einzelmeisterschaft 2019: „https://wem.svw.info//wem_19/“, „http://www.svw.info/referate/spielbetrieb/227-em/14745-wsf-2019-ein-event-geht-zu-ende“, http://www.svw.info/referate/spielbetrieb/227-em/14739-wsf-2019-wuerttembergischer-meister-steht-vorzeitig-fest“, „http://www.svw.info/referate/spielbetrieb/227-em/14737-wsf-2019-erste-entscheidungen-zeichnen-sich-ab“, „http://www.svw.info/referate/spielbetrieb/227-em/14731-wsf-2019-ueberraschungen-gehen-weiter“, „http://www.svw.info/referate/spielbetrieb/227-em/14727-wsf-2019-ot-beginnt-und-gms-setzen-sich-ab“, „http://www.svw.info/referate/spielbetrieb/227-em/14723-wsf-2019-keine-weisse-weste-mehr-im-imt“, „http://www.svw.info/referate/spielbetrieb/227-em/14721-wsf-2019-spiele-haben-mit-ueberraschungen-begonnen“.

– Abschlusstabelle Württembergisches Meisterturnier mit allen Ergebnissen: „https://wem.svw.info//wem_19/imt_tabelle.shtml“.

– Abschlusstabelle Kandidatenturnier 2019: „https://wem.svw.info//wem_19/kt_tabelle.shtml“.

– Alle Partien des Württembergischen Meisterturniers zum Nachspielen: „https://chess24.com/en/watch/live-tournaments/wuerttemberg-championship-2019-masters/1/1/1“.

– Livekommentierung zu allen Runden des württembergischen Schachfestivals in Weissach: „https://www.youtube.com/channel/UCXYGGyu5vGfeurnuU-aiKhQ/videos“.

– Impressionen WEM 2019: „https://cloud.svw.info/index.php/s/NH2XzF7D98rsnec“.

– Vorläufige Informationen Deutsche Einzelmeisterschaft 2020: „https://www.schachbund.de/dem2020.html