Schönbucher retten sich mit der letzten Partie

Schönbucher retten sich mit der letzten Partie

STUTTGART-VAIHINGEN. Auch beim Schachspiel leben Todgesagte länger. In der neunten und letzten Runde der Oberliga Württemberg gewann der Schachklub Bebenhausen 1992 ein legendäres Entscheidungsspiel gegen die TG Biberach mit viel Glück mit 4,5:3,5. Genau dieses Ergebnis war für den Verbleib in der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands mindestens notwendig. Überraschenderweise müssen nun die Oberschwaben in die Verbandsliga absteigen. Ebenfalls eine Klasse nach unten geht es für den SK Sontheim an der Brenz, während die Stuttgarter Schachfreunde 1879 als Württembergischer Meister in die Zweite Bundesliga aufsteigen.

Die vom Schachverband Württemberg organiserte gemeinsame zentrale Endrunde der Oberliga Württemberg 2018/2019 war wieder einmal ein voller Erfolg. Zahlreiche Zuschauer wollten im Stuttgarter Hegel-Gymnasium die Entscheidungen um Auf- und Abstieg sehen. Die Begegnung zwischen Bebenhausen und Biberach begann für beide Seiten mit personellen Überraschungen. Während Bebenhausen auf Altmeister Christoph Frick verzichten musste, fiel bei Biberach der ehemalige Bebenhäuser Jugendspieler André Fischer aus, der sonst gemeinsam mit dem weiteren Ex-Bebenhäuser Bernhard Sinz das Biberacher Spitzenduo bildet. Fast alle Spieler begannen übernervös und es entwickelte sich ein Wettkampf auf sehr mäßigem Niveau. Leider waren wie schon während der gesamten Saison einige Goldersbachtäler eröffnungstheoretisch schlecht vorbereitet. Die Partien von Georg Braun an Brett 1 und von Jürgen Roth (Brett 6) bereiteten bald große Sorgen, während nur Andreas Carstens (4) und Rudolf Bräuning (2) ihre Gegner – wie in der Teambesprechung geplant – mit Weiß unter Druck setzten konnten. Bräuning zeigte dann auch die besten Nerven und brachte seine Mannschaft mit einem verdienten Sieg gegen die französische Verteidigung in Führung. Ein großer Schock hingegen war das Remis von Carstens, dessen Punkt seine Mannnschaftskameraden schon fest eingerechnet hatten. In der Eröffnung überspielte Carstens seinen Gegner und verleibte sich einen Bauern nach dem anderen ein. Doch dann wurde der Bieringer unvorsichtig und geriet in einen gegnerischen Angriff, aus dem er nur mit Glück mit einem Dauerschach entkam.

Durch zwei ganz schwache Partien gerieten die Goldersbächtäler auf die Verliererstraße. Roth opferte im Mittelspiel zu optimistisch einen Bauern und wurde anschließend übel ausgekontert. Auch Farhad Khadempour (3) hatte wieder einmal einen schlechten Tag erwischt. Obwohl er eigentlich eine gute Stellung hatte, verlor er in Zeitnot völlig die Nerven und jede Übersicht.

Beim Zwischenstand von 1,5:2,5 war der Bebenhäuser Klassenerhalt in weite Ferne gerückt. Zwar konnte Boris Latzke (5) seinen Gegner positionell überspielen und in ein Endspiel mit Mehrbauer abwickeln, aber Joachim Kitzberger (8) geriet nach einigen zweifelhaften Entscheidungen im Mittelspiel in eine missliche Lage. Sorgen bereiten zudem die immer noch kritische Stellung von Braun und die von David Wendler (7), der Kompensation für ein Bauernopfer nachweisen musste. Doch dann fasste sich Wendler ein Herz, wickelte in ein ausgeglichenes Endspiel mit Turm und Läufer ab, in dem er dann seinen Gegner gnadenlos überspielte. Die Partie zwischen Braun und Sinz eskalierte in einer wilden Zeitnotschlacht, in welcher Sinz eine Figur für drei Bauern opferte. Nur um Haaresbreite entging der Riedericher einer Niederlage und gewann schließlich überglücklich im Endspiel. Schließlich war es Latzke vergönnt, mit einem Sieg im Springerendspiel den Mannschaftserfolg und damit den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen, so dass die Niederlage von Kitzberger nicht mehr ins Gewicht fiel.

Für die Bebenhäuser endete damit eine sehr durchwachsene Oberliga-Saison mit einem Happy-End. Die Mär vom „Phänomen Bebenhausen“ und „den Unabsteigbaren“ machte unter den zahlreichen Zuschauern wieder einmal die Runde. In der Endtabelle belegen die Schönbucher mit 6 von möglichen 18 Mannschaftspunkten und 34,5 von möglichen 72 Brettpunkten den achten Tabellenplatz. Nur aufgrund des direkten Vergleichs steht Biberach auf dem neunten Platz und muss absteigen.

Unter den Bebenhäusern Stammspielern ist Boris Latzke hervorzuheben, der in dieser Saison am 6. Brett starke 7 Punkte aus 9 Partien erzielte. Für dieses Ergebnis erhielt er von Verbandsspielleiter Carsten Karthaus den Preis für den Topscorer der gesamten Oberliga. Sehr erfreulich war auch die Punkteausbeute von Nachwuchstalent David Wendler (6 Punkte aus 9 Partien an Brett 8) und Spitzenspieler Georg Braun (5,5 Punkte aus 9 Partien).

Das Ende der Oberliga-Saison bedeutet für die stärksten Vereinsspieler in Tübingen auch das Ende einer sehr intensiven Wettkampfphase. Nach der dramatischer Pokalniederlage gegen Berlin-Zehlendorf in Oranienburg versäumten es die Goldersbachtäler, in der Oberliga gegen Schmiden/Cannstatt den Klassenerhalt klarzumachen. Bei der Württembergischen Blitz-Mannschaftsmeisterschaft qualifizierten sie sich dann mit einem stolzen 2. Platz für die Deutschen Meisterschaften und sammelten Mut für das Schicksalsspiel gegen Biberach. Trotzdem ist allen klar, dass es so nicht weitergehen kann. Die Mannschaft ist hoffnungslos überaltert. Der Abstieg ist nur eine Frage der Zeit. Aber wie sollen die Schönbucher, die eine von wenigen Mannschaften sind, die Ihren Spielern keinen Cent bezahlen, in Zukunft in der dritthöchten Deutschen Spielklasse mithalten?

Die Einzelergebnisse:

SK Bebenhausen I – TG Biberach 4,5:3,5

Brett

1. Braun, Georg – Sinz, Bernhard 1:0

2. Bräuning, Rudolf – Weiß, Oliver 1:0

3. Khadempour, Farhad – Mack, Wolfgang 0:1

4. Carstens, Andreas – Oberst, Thomas ½:½

5. Latzke, Boris – Birkenmaier, Rainer 1:0

6. Roth, Jürgen – Namyslo, Holger 0:1

7.Wendler, David – Schulze, Andreas 1:0

8. Kitzberger, Joachim – Sokratov, Stanislav 0:1

Alle Einzelergebnisse der 9. Runde der Oberliga: https://ergebnisse.svw.info/show/2018/2305/runde/9/

Die Abschlusstabelle der Oberliga Württemberg 2018/2019: https://ergebnisse.svw.info/show/2018/2305/

Brettpunkte Mannschaftspunkte

1. Stuttgarter SF 1879 47:25 16:2

2. Heilbronner SV 42:30 15:3

3. SC Böblingen 42,5:29,5 12:6

4. SF Deizisau II 39,5:32,5 10:8

5. SG Schwäbisch Gmünd 33,5:38,5 10:8

6. SC Weiler im Allgäu 38,5:33,5 8:10

7. SK Schmiden/Cannstatt 1880 32,5:39,5 7:11

8. SK Bebenhausen 34,5:37,5 6:12

9. TG Biberach 34,5:37,5 6:12

10. SK Sontheim/Brenz 15,5:56,5 0:18

Topscorer der Oberliga Württemberg: https://ergebnisse.svw.info/show/2018/2305/topscorer/

Die Lve-Kommentierung der gemeinsamen zentralen Endrunde der Oberliga Württemberg 2018/2019 auf youtube: „https://www.youtube.com/watch?v=WZtLy9GFP44“.